13.1 Das ARIS-Konzept

Das ARIS-Konzept ist eine Architekturempfehlung für die IT und ein Vorschlag für die Vorgehensweise bei der Gestaltung einer IT. Es wurde von Scheer schon in den 1970er-Jahren vorgestellt, hat aber bis heute seine Aussagekraft nicht verloren. Es ist in zahlreichen seiner Veröffentlichungen beschrieben (beispielhaft [Scheer 1997]. Wegen seiner großen Bedeutung - nicht nur in theoretischer sondern auch in praktischer Hinsicht - soll es hier kurz vorgestellt werden [Anmerkung] .

Architektur integrierter Informations-
systeme

Das ARIS-Konzept ist prozesszentriert, d.h. es empfiehlt die Wahrnehmung der betrieblichen Realität als ein zielgerichtetes Miteinander von Geschäftsprozessen. Gegenstand ist - wie oben schon angemerkt - die IT, genauer: deren Gestaltung.

Komponenten

Folgende Komponenten definiert Scheer in seinem Konzept:

Sichten

  • Datensicht
  • Funktionssicht
  • Organisationssicht
  • Ressourcensicht
  • Steuerungssicht

Er nennt sie Sichten, weil ihr Gegenstand jeweils eine bestimmte Sicht auf die IT einer Organisation darstellt. Die Datensicht erfasst die Zustände und Ereignisse, die durch Daten repräsentiert werden. Gemeint sind die Daten der Datenbank, die mithilfe eines Datenmodells erstellt wurden. Das von Scheer hierfür vorgeschlagene Werkzeug sind ER-Modelle.

Datensicht

Mit Funktionssicht bezeichnet er die auszuführenden Funktionen und deren Zusammenhang. Hierzu gehört die Beschreibung der Funktion, die Aufzählung der einzelnen Teilfunktionen sowie die zwischen den Funktionen bestehenden Anordnungsbeziehungen. Erfasst werden sie z.B. durch Funktionsbäume.

Funktionssicht

Bearbeiter und Organisationseinheiten machen die Organisationssicht aus. Das Darstellungsmittel sind hier z.B. Organigramme. Eine moderne Sichtweise muss an dieser Stelle Nutzer von Software und die genutzten Anwendungsprogramme anführen, da heutzutage ja oft keine Benutzer mehr vorhanden sind.

Organisationssicht

Mit dem Begriff Ressourcensicht sind die Komponenten der Informationstechnik gemeint. Sie zielt somit auf die konkrete Hardware und Software.

Ressourcensicht

Den integrativen Aspekt betont wiederum die Steuerungssicht. Sie soll die Verbindung zwischen den anderen Sichten deutlich machen. Zentral ist hier die Geschäftstätigkeit, der letztendlich alle übrigen Ressourcen dienen. Die zentrale Modellierungstechnik ist hier die Ereignisgesteuerte Prozesskette.

Steuerungssicht

In der Leistungssicht, die in den ersten Jahren nicht ins Konzept integriert war, die Scheer später ergänzt hat, sind die unterschiedlichen Leistungsarten wie Sach-, Dienst- und Informationsleistungen zusammengefasst.

Leistungssicht

Insgesamt empfiehlt der Ansatz somit, neben der integrierten Betrachtung der Geschäftsprozesse auch den durch die Sichten spezifizierten. Diese entsprechen im Übrigen den überkommenen Vorgehensweisen, wo natürlich auch Datenstrukturen, Organisationsstrukturen, usw. analysiert wurden. Diese Komponenten ordnete er so an, wie es die folgende Abbildung zeigt, und stellt damit die Sichten in Beziehung: Ausgangspunkt ist die Steuerungssicht (die Geschäftsprozesse), von diesen ausgehend sollen die Datensicht (Datenbanken), Funktionen (Anwendungen) und die Organisationsstruktur gestaltet werden.


Abbildung 13.1-1:

Die "Sichten" der ARIS-Architektur
Quelle: Eigene Darstellung nach [Scheer1998a, S. 41]

Die Ressourcensicht war ja oben nicht dabei. Sie kommt jetzt, bei der Definition einer zweiten wichtigen Dimension - den Beschreibungsebenen - wieder zum Konzept dazu. In dieser zweiten Dimension drückt er aus, dass die in den Sichten stattfindenden Aktivitäten eine unterschiedliche Nähe zur Informationstechnik haben. Die drei Ebenen sind wie folgt benannt:

Beschreibungsebenen

  • Fachkonzept (Semantische Modelle)
  • DV-Konzept
  • Technische Implementierung

Mit dem Begriff Fachkonzept beschreibt Scheer so etwas wie die Semantik eines Anwendungsbereichs, die natürlich umfassend beschrieben werden muss:

Fachkonzept

"Deshalb wird in einem Fachkonzept das zu unterstützende betriebswirtschaftliche Anwendungskonzept in einer soweit formalisierten Sprache beschrieben, dass es Ausgangspunkt einer konsistenten Umsetzung in die Informationstechnik sein kann." [Scheer 1998a, S. 15].

Das Fachkonzept ist von besonderer Bedeutung, da es "langfristiger Träger des betriebswirtschaftlichen Gedankengutes ist" (ebenda S. 16)

Im DV-Konzept wird das Fachkonzept in die "Kategorien der DV-Umsetzung" übertragen. Anstelle von Funktionen treten die sie ausführenden Modelle oder Benutzertransaktionen. Somit handelt es sich um eine "Anpassung der Fachbeschreibung an die generellen Schnittstellen der Informationstechnik" (ebenda, S. 15).

DV-Konzept

Mit der dritten Ebene, der Technischen Implementierung, ist die konkrete technische Implementierung der Datenverarbeitung gemeint.

Technische Implementierung

Scheer verknüpft nun die zwei Dimensionen (Sichten und Beschreibungsebenen) seines Ansatzes und schlägt vor, in jeder Sicht diese drei Ebenen zu unterscheiden. Die graphische Repräsentation dieser Überlegung zeigt die folgende Abbildung.

Über der Abbildung ist die Realwelt, die z.B. aus den Strukturen und Abläufen eines Unternehmens besteht, als Betriebswirtschaftliche Problemstellung miteingefügt. Zusammengefasst schlägt dieser theoretische Ansatz somit vor, bei der Analyse und Gestaltung Computergestützter Informationssysteme die Sichten zu unterscheiden und in diesen jeweils die drei Ebenen der DV-Gestaltung.

Damit lassen sich, wie auch die Abbildung zeigt, in der ARIS-Architektur 13 Bereiche unterscheiden, wenn man die Betriebswirtschaftliche Problemstellung mit dazu nimmt. Für jeden dieser Bereiche stellt Scheer geeignete Methoden für den Aufbau und die Analyse des Informationssystems vor. Im Rahmen dieser Arbeit sind davon nur die der Fachkonzeptsebene von Interesse, weil diese die Abbildung der betrieblichen Weltausschnitte in die Software zum Gegenstand haben.

Methoden

Für die Betriebswirtschaftliche Problemstellung schlägt Scheer Vorgangskettendiagramme (VKD) vor. Nach den Erfahrungen des Verfassers wird in der Praxis in dieser Phase allerdings meist nicht zu formalen Techniken, sondern zu textlichen Beschreibungen gegriffen.

Betriebs-
wirtschaftliche Problemstellung

Vorgangskettendiagramme und Hinweise für deren Aufbau finden sich in [Scheer 1997]. Vgl. zum Beispiel die dortige Abbildung A.II.01 für ein Soll-Konzept einer Kundenauftragsbearbeitung. In [Scheer 1997] dienen Vorgangskettendiagramme auch zur überblicksartigen Einführung neuer Geschäftsprozesse.


Abbildung 13.1-2:

Die "Sichten" + "Beschreibungsebenen" der ARIS-Architektur
Quelle: Eigene Darstellung nach [Scheer 1998a, S. 41]

Auf Fachkonzeptsebene schlägt Scheer für die Funktionssicht Hierarchiediagramme (Funktionsbäume) vor. Die Zerlegung soll dort enden, wo Funktionen erreicht werden, die in einem Arbeitsablauf bearbeitet werden (Elementarfunktionen). Funktionsbäume sind statisch, d.h. die Reihenfolge in der die Teilfunktionen abgewickelt werden, ist nicht ersichtlich. Für die Organisationssicht empfiehlt er Organigramme. Als Verknüpfungsart zwischen Organisationseinheiten wird die Weisungsbefugnis gewählt. Für die Datensicht wählt er ER-Modelle, mit einigen Änderungen gegenüber der Standardterminologie. Die Steuerungssicht wird u.a. durch Prozessmodelle erfasst.

Beschreibungs-
ebene Fachkonzept

"ER" steht für Entity Relationship. ER-Modellierung stellt den wichtigsten Ansatz in der sog. Semantischen Datenmodellierung dar. Vgl. diese Webseite.

Viele heute wichtige Methoden fehlen hier: die gesamte objektorientierte Theorie, seien es nun Klassendiagramme für die statischen Aspekte des Anwendungsbereichs oder die dynamischen Komponenten (Anwendungsfälle, Aktivitäten, Sequenzen, Automaten, ...) für die Modellierung von Abläufen, Prozessen und Automaten. Vgl. [Staud 2019] für eine Beschreibung. Ebenso muss man heute natürlich die ganz neuen Methoden, wie z.B. BPMN, ergänzen. Sie waren bei der Abfassung dieser Texte noch nicht präsent.

Defizite aus heutiger Sicht

13.2 Glossar

Ablauforganisation

"Unter Ablauforganisation versteht man die Gestaltung von Arbeitsprozessen. ... Man unterscheidet
(1) die Ordnung des Arbeitsinhalts,
(2) die Ordnung der Arbeitszeit,
(3) die Ordnung des Arbeitsraumes,
(4) die Arbeitszuordnung" [Wöhe 1993, S. 196].

Aufbauorganisation

Mit Aufbauorganisation ist die Zerlegung der Gesamtaufgabe einer Organisation in Teilaufgaben angesprochen. Die Zerlegung muss so erfolgen, dass ein effektives Zusammenwirken bei der Abwicklung konkreter Geschäftsprozesse möglich ist. Mit diesem Begriff bezeichnet man die entstehende Organisationsstruktur als solche wie auch die Tätigkeit des Organisierens selbst:
"Erste Aufgabe der Aufbauorganisation (wenn wir sie als Tätigkeit des Organisierens verstehen) ist also die Analyse und Zerlegung der Gesamtaufgabe des Betriebes (Aufgabenanalyse). Die zweite Aufgabe besteht dann darin, die Einzelaufgaben zusammenzufassen, indem "Stellen" gebildet werden (Aufgabensynthese), wobei sich aus der Aufgabenstellung Beziehungszusammenhänge zwischen diesen Stellen ergeben" [Wöhe 1993, S. 183].

Bewegungsdaten

"Die Bewegungsdaten lassen sich in Transferdaten, die Vormerkdaten und die Archivdaten untergliedern. ... Transferdatenbestände enthalten solche Daten, die von einem Programm generiert oder bearbeitet wurden und nun einem anderen geliefert werden. ..." [Mertens 2013, S. 40]
"Bewegungsdaten sind Daten mit einem zeitlichen Bezug. Sie dienen der chronologischen Speicherung aller Vorgänge und entstehen im Verlauf der Geschäftsprozesse. Typische Bewegungsdaten sind die Kundenaufträge, die Bestellungen oder die Fertigungsaufträge. Inhalte von Bewegungsdaten können Plan- oder Istdaten sein." [Hohmann 1999, S. 92f]
Siehe auch: Stammdaten

Computer Integrated Manufacturing (CIM)

CIM bezeichnet eine sehr enge Abstimmung von betriebswirtschaftlicher und technischer Informationsverarbeitung im Fertigungssektor, berücksichtigt aber auch Produkt- und Prozessentwicklung, Vertrieb, Versand und Rechnungswesen. Ziel ist die Integration aller fertigungstechnischen Arbeitsabläufe sowie aller betriebswirtschaftlich-organisatorischen Dispositions- und Steuerungsaufgaben.

Customer Relationship Management (CRM)

Customer Relationship Management (Kundenbeziehungsmanagement, CRM). CRM betrifft Informations- und Kommunikationssysteme für die Pflege und Durchführung von Kundenkontakten sowie die Frage der Integration dieser Software in das sonstige IKS des Unternehmens. Ausgangspunkt für diese Überlegungen ist somit der Kunde bzw. der Kontakt mit ihm.

ERP-Software

ERP steht für Enterprise Resource Planning. Mit ERP-Software ist integrierte prozessorientierte Standardsoftware gemeint, die meist auf einer integrierten Hardware (mit Client-Server-Architektur) betrieben wird. Sie deckt in der Regel den gesamten Bereich der kaufmännischen Anwendungen ab (also z.B. Personal, Finanzen, Rechnungswesen, Logistik, Transport, Produktionsplanung usw.) und in diesen auch die Anforderungen der unteren und mittleren Managementebenen.
Eine ERP-Software ist somit eine umfassende betriebliche Anwendungssoftware. Sie ist prozessorientiert, d.h. sie unterstützt ganze Geschäftsprozesse, nicht nur einzelne Funktionen. Es handelt sich um eine betriebswirtschaftliche Software, d.h. sie deckt (mindestens) alle Geschäftsprozesse des kaufmännischen bzw. betriebswirtschaftlichen Bereichs ab. Sie ist Standardsoftware, d.h. für den Einsatz in vielen Unternehmen (auch unterschiedlicher Branchen) geeignet, da sie betriebliche Funktionen sowie die Abwicklung und Unterstützung von Geschäftsprozessen standardisiert.

Geschäftsobjekte

In Zusammenhang mit Geschäftsprozessen spricht man auch von Geschäftsobjekten (Business Objects). Damit sind betriebswirtschaftlich relevante Objekte gemeint. Es handelt sich immer um Informationsträger mit Eigenschaften (Attributen) und einem Verhalten (bzw. zulässigen Veränderungen), beispielsweise um Rechnungen mit Attributen, wie Rechnungsnummer, Rechnungsdatum, Rechnungsempfänger usw., die bezahlt oder storniert werden können.

Graph, Graphentheorie

Für die Beschreibung im Rahmen des Kontrollflusses benutzen auch die UML-Autoren Begriffe der Graphentheorie. Hier vor allem zwei:
- Kanten / edges
- Knoten / nodes
Ein Graph besteht aus Knoten, die durch Kanten verknüpft sind (vgl. zur Graphentheorie [Kastens und Büning 2008, Kapitel 5]). In der UML sind die Kanten immer gerichtet, so dass es sich um gerichtete Graphen handelt.

Istanalyse

Detaillierte Bestandsaufnahme der bestehenden Prozesse für unterschiedliche Zwecke (Optimierung, Qualitätsmanagement, Vorbereitung der Einführung einer ERP-Software, ...).

Kernkompetenz

Der Begriff Kernkompetenz ist verbunden mit dem der (=>)Kerngeschäftsprozesse. Damit sind die besonderen Fähigkeiten gemeint, durch die Kernprozesse realisiert werden. Kernkompetenzen liegen bei den einzelnen Mitarbeitern vor und entstehen durch das Zusammenwirken von Mitarbeitern (in Abteilungen, Projekten oder sonst wie).
Die Kernkompetenzen eines Unternehmens sind seine gesamten, als wettbewerbsentscheidend erachteten Fähigkeiten.

Kern(geschäfts)prozesse, Supportprozesse

Einige Geschäftsprozesse spielen eine besondere Rolle im Unternehmen. Es sind zentrale Prozesse, mit denen die Hauptleistung erbracht wird, in die die meisten Ressourcen einfließen und mithilfe derer die eigentliche (=>)Wertschöpfung erfolgt. Sie werden Kernprozesse genannt. Alle übrigen werden als unterstützende Prozesse bzw. (=>)Supportprozesse bezeichnet. Sie sind nicht direkt wertschöpfend, aber notwendig, um die Kernprozesse ausführen zu können. Die Bezeichnung ist nicht abwertend gemeint. Ohne Supportprozesse gibt es keine Kernprozesse.
Für das Thema Prozessmodellierung ist diese Unterscheidung wichtig, weil man Kernprozesse mit mehr Aufwand pflegt, optimiert und auch modelliert.
Einige Beispiele für Kernprozesse:
- Für Dienstleistungsunternehmen im Transportbereich ist die eigentliche Transportleistung von Menschen und Gütern ein Kernprozess.
- Für eine Messegesellschaft gehört die Organisation von Messeveranstaltungen, der technische Betrieb eines Messezentrums, der Einkauf von Dienstleistungen und u.U. der Verkauf von Messestandflächen an Aussteller zu den Kernprozessen. Ein unterstützender Prozess ist die Abrechnung von Messeveranstaltungen.
- In einem Steuerbüro gehört die Erstellung der Finanzbuchhaltungen, der Jahresabschlüsse, der Steuererklärungen und Lohnabrechnungen zu den Kernprozessen (je nach Ausrichtung der Geschäftstätigkeit). Ein Beispiel für einen unterstützenden Prozess ist die Neumandantenwerbung.
- In einem Handelshaus gehören die Auftragsabwicklung und die Einkaufsabwicklung (Qualität, Preis, ...) zu den Kernkompetenzen. Unterstützende Prozesse sind hier z.B. die Qualitätskontrolle, der Kundenservice, das Personalwesen, das Mahnwesen und die Kundenaquisition.
- In einem Softwarehaus gehört die Entwicklung (Systemanalyse, Systemdesign, Programmierung) und der adäquate Einsatz von Methoden und Werkzeugen zu den Kernkompetenzen.
- Bei einem Hersteller "einfacher" Produkte, die auch von anderen leicht hergestellt werden können, gehören unter Umständen die Geschäftsprozesse des Marketing zu den Kernprozessen.

Wenn etwas mehr die Ausrichtung zum Kunden betont werden soll, kommt man zu folgender Definition [Steinbuch 1998, S. 33]: Kernprozesse sind kundennahe und/oder wertschöpfungsintensive Geschäftsprozesse.

Lifecycle Management , Product Lifecycle Management (LCM, PLM)

Lifecycle Management (LCM). "Lifecycle" meint hier den Produktlebenszyklus, also alle Phasen, die ein Produkt im Lauf seiner Existenz erlebt (deshalb auch häufig: Product Lifecycle Management, PLM). Ausgangspunkt für LCM ist die Vorstellung, alle diese Phasen integriert durch entsprechende Informationssysteme zu begleiten, d.h. alle im Produktlebenszyklus anfallenden Arbeits- bzw. Prozessschritte zu integrieren:
- erste Anfrage durch den Kunden,
- Angebotserstellung,
- Produktentwicklung,
- Produktion,
- Betriebsphase beim Kunden,
- Entsorgung.
Integriert werden sollen vor allem die Informationskreisläufe bzw. die Informationsbestände.

Nebenläufigkeit

"Haben zwei Aufgaben weder eine direkte noch eine indirekte Verbindung, so sind sie nebenläufig, d.h., sie können nacheinander oder nebeneinander ablaufen." [Österle 1995, S. 95]
"Die Ablauffolge beschreibt, ob eine Aufgabe nach einer anderen Aufgabe (Präzedenz), gleichzeitig mit ihr (Parallelität) oder unabhängig von ihr (Nebenläufigkeit) ablaufen soll." [Österle 1995, S. 51]

Organisationseinheit

Eine Organisationseinheit ist eine Zusammenfassung von einer oder mehreren Stellen zu einem selbständigen Teil der Organisationsstruktur eines Unternehmens.

Porter

Das Denken in Geschäftsprozessen hat viele Urheber, schließlich basiert es letztlich auf den Konzepten, die bei der Analyse der Ablauforganisation entwickelt wurden. Einer zählt mit Sicherheit dazu, Porter mit seinem Wertkettenmodell:
"Als eine wesentliche theoretische Basis des Prozessdenkens gilt das von Porter entwickelte Wertkettenmodell, welches aufgrund der Segmentierung der Unternehmensaktivitäten in primäre, direkt wertschöpfende und sekundäre, unterstützende Aktivitäten die These erlaubt, dass Unternehmen durch die geschickte Kombination und Gestaltung der Prozesse auf allen Unternehmensebenen Wettbewerbsvorteile gegenüber ihren Konkurrenten erwerben können" [Franz 1996, S. 210].

Proprietäre Systeme

Damit sind Systeme der IT gemeint, bei denen die herstellenden Unternehmen die Architektur ihrer Hardware und/oder Software geheim halten. Auch die der Schnittstellen. Dies macht die Integration der einzelnen Aufgaben in Richtung Prozessfluss sehr schwierig. Mehr noch gilt dies für die Verknüpfung der Geschäftsprozesse verschiedener Unternehmen. Proprietäre Systeme sind heute ein Relikt der IT-Vergangenheit. Heute liegen in der Regel offene Schnittstellen und Architekturen vor.

Referenzmodelle

Im Bereich der Betriebswirtschaftlichen Standardsoftware oder ERP-Software ist damit ein abstraktes (nicht auf ein bestimmtes Unternehmen bezogenes) Modell der Unternehmensrealität gemeint. Dabei werden heute, in Anlehnung an die Arbeiten von Scheer, Modelle bzgl. der Datenbanken, der Organisationsstrukturen, der Funktionen (Tätigkeiten) und der Geschäftsprozesse unterschieden. Hier ist dann auch von Unternehmensmodellierung die Rede.
Eine Diskussion des Begriffs auf dem allgemeinen Hintergrund der Gestaltung Integrierter Informationssysteme mit weiteren Literaturhinweisen findet sich bei [Hohmann 1999, S. 56ff].

Sollmodellierung, Sollprozesse

Aufbauend auf der Istmodellierung und den dabei entdeckten Schwachstellen (und weiterer Schwachstellenanalysen) kann die Erstellung von Prozessmodellen erfolgen, in denen die Schwachstellen beseitigt sind. Dies wird Sollmodellierung genannt, die dabei entstehenden Geschäftsprozesse heißen Sollprozesse. Näheres hierzu findet sich in [Speck und Schnetgöke 2005, S. 185]

Stammdaten

Stammdaten sind Teil der Datenbestände (betriebswirtschaftliche und technische), die ein Unternehmen zur informationellen Absicherung benötigt, und zwar der Teil, der nur in Ausnahmefällen verändert wird.
"Die wichtigsten Stammdaten einer integrierten IV sind: Kunden, Lieferanten von Erzeugnissen und Dienstleistungen ..., Teile - unter dieser Bezeichnung sollen Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Halb- und Fertigfabrikate zusammengefaßt werden -, Stücklisten ..., Arbeitspläne ...., Betriebsmittel, Kostenstellen und Personal." [Mertens 2013, S. 40]
"Stammdaten unterliegen selten Veränderungen und bilden die Basis von Integrierten Systemen. Stammdaten sind zustandsorientierte Daten, die der Identifizierung, Klassifizierung und Charakterisierung von Objekten (Sachverhalten) dienen und die über einen längeren Zeitraum hinweg unverändert zur Verfügung stehen. Typische Stammdaten sind Kundenstamm, Lieferantenstamm, Preis- und Konditionenstamm, Artikelstamm, Stücklisten, Arbeitspläne, Kostenstellen usw." [Hohmann 1999, S. 92]
s.a. Bewegungsdaten

Stellen

Stellen sind die kleinsten organisatorischen Einheiten im Unternehmen.

Supply Chain Management (SCM)

Supply Chain Management (SCM). SCM betrifft die Informationssysteme, mit deren Hilfe die logistischen Versorgungsketten über Unternehmensgrenzen hinweg erfasst und integriert werden sollen. Ausgangspunkt ist hier die Leistungserbringung.

Supportprozesse

(=>)Kern(geschäfts)prozesse

Vorgehensmodelle

[Bullinger und Fähnrich 1997, S. 11] definieren wie folgt: "Vorgehensmodelle legen für die Aktivitäten, die im Rahmen der Tätigkeit softwareproduzierender Einheiten (SPEs) notwendig sind, deren wechselseitige Beziehungen fest und geben vorgeschriebene Reihenfolgen an." Sie bringen auch gleich ein Beispiel: "Das Wasserfallmodell ist das bekannteste Modell zur Softwareentwicklung; es bildet den gesamten Lebenszyklus einer Software durch sequentielle Unterteilung in Phasen ab."
Im Umfeld von ERP-Software wird ebenfalls von Vorgehensmodellen gesprochen, im Sinne von Vorschlag für das Vorgehen bei der Einführung. Bekanntestes Beispiel ist das Vorgehensmodell der SAP für die Einführung von R/3.

Wertschöpfung

Eigentlich bedeutet Wertschöpfung: "Beitrag, den ein Unternehmen zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt" [Schneck 1998, S. 779].
Die Betriebswirtschaftslehre versteht unter Wertschöpfung das Betriebsergebnis abzüglich externer Vorleistungen [Stahlknecht 1995, S. 235]. Steinbuch definiert wie folgt: "Wertschöpfung wird üblicherweise als Differenz von Betriebsertrag und Vorleistungen definiert." Er führt die Definition des Verband Deutscher Maschinenbauanstalten (VDMA) an: Wertschöpfung = Betriebsertrag - Vorleistungen [Steinbuch 1998, S. 33]. Im Zusammenhang dieser Arbeit ist der Begriff von Bedeutung für das Konzept der Wertschöpfungskette.

Wertschöpfungskette

Der Begriff Wertkette oder Wertschöpfungskette (value chain) geht auf Porter zurück (vgl. [Porter 1985], [Porter 1998]). Die Wertschöpfungskette besteht aus neun Firmenaktivitäten, die zur Herstellung und Wertsteigerung eines Produkts beitragen (einschließlich der Realisierung einer Gewinnspanne). Grob sind die Firmenaktivitäten unterteilt in ausführende Aktivitäten (auch primäre genannt), die direkt mit Herstellung, Vertrieb, usw. verbunden sind (z.B. Beschaffung, Vertrieb, Produktion) und sekundäre, mit denen die ausführenden unterstützt werden (Finanzwesen, Controlling, Personalwesen, usw.). Es versteht sich, dass Wertschöpfungsketten auch Geschäftsprozesse sind (vgl. auch [Keller und Teufel 1997, S. 43], [Stahlknecht 1995, S. 235] sowie für eine Kurzdarstellung [Schneck 1998, S. 779]).