1.1 Vorbemerkung

Das Thema Prozessgestaltung bzw. Prozessoptimierung ist von zentraler Bedeutung für alle Unternehmen und sonstigen Organisationen. Es ist eine ständige Aufgabe. Prozessoptimierung aber bedarf der Erfassung der Prozesse, ihrer Beschreibung durch Prozessmodelle. Erst nach dieser Erfassung können Schwachstellen erkannt und beseitigt und neue Angebote der Prozessgestaltung im Rahmen der Digitalisierung und Automatisierung eingebaut werden.

Bei den verwendeten Methoden haben sich in den letzten 10 Jahren auch wichtige Veränderungen ergeben. Hinzugekommen sind neue, wie die BPMN, weggefallen sind andere, die sich in der Prozessmodellierung nie so recht durchsetzen konnten, wie die Aktivitätsdiagramme der UML. Ereignisgesteuerte Prozessketten bleiben aber das ideale Instrument für die Modellierung von Prozessen im Rahmen der Istanalyse: Sie sind einfach, schnell zu erlernen und liefern trotzdem aussagekräftige Prozessmodelle, was hoffentlich in diesem Text auch deutlich wird. Mehr kann man von einer Methode nicht verlangen. Strebt man im Rahmen des Requirement Engineering eine programmnahe Modellierung der Prozesse an, sollte man andere Instrumente wählen, z.B. die Methode BPMN.

Methoden

Für die Darstellung von Prozessbeispielen verwende ich die Begriffe inhaltliches Beispiel und abstraktes Beispiel. Inhaltliche Beispiele veranschaulichen einen Prozess(abachnitt) anhand konkreter, domänenspezifischer Situationen. Sie zeigen, wie ein Prozess in der Praxis funktioniert, indem sie sich auf realistische Aufgaben, Dokumente und Entscheidungen beziehen. Abstrakte Beispiele hingegen nutzen vereinfachte und allgemeine Konstrukte, die unabhängig von einem konkreten fachlichen Kontext sind. Ihr Zweck besteht darin, die zugrunde liegenden syntaktischen Modellierungsprinzipien hervorzuheben, ohne durch domänenspezifische Details abzulenken.

Prozessbeispiele

 

1.2 Abkürzungsverzeichnis

Die folgenden Abkürzungen werden im Text verwendet. Abkürzungen in den Ereignisgesteuerten Prozessketten und Business Process Diagrams werden beim jeweiligen Prozessmodell erläutert.

 


Kürzel

Langbezeichnung

AD

Aktivitätsdiagramm der UML

aE

Auslösende Ereignisse

ARIS

Architektur integrierter Informationssysteme

B2C

Business to Customer

BPD

Business Process Diagram

BPMN

Business Process Modeling Notation. Ab Version 2.0: Business Process Model and Notation

BPR

Business Process Reengineering

DV

Datenverarbeitung

EDV

Elektronische Datenverarbeitung

eE

Erzeugte Ereignisse

eEPK

erweiterte Ereignisgesteuerte Prozesskette

EPK

(einfache) Ereignisgesteuerte Prozesskette

ERP

Enterprise Resource Planning. Etablierte Bezeichnung für integrierte prozessorientierte Standardsoftware.

GP

Geschäftsprozess

IS

Informationssystem

IT

Eigentlich Informationstechnologie, bzw. information technology. Heute benutzt als Kurzbezeichnung für die gesamte EDV-Ausstattung einer Organisation.

ODER

Logischer Operator ODER

RE

Requirements Engineering (Anforderungsmanagement)

UND

Logischer Operator UND

vs.

versus (im Vergleich zu, im Gegensatz zu)

XODER

Logischer Operator EXKLUSIVES ODER

1.3 Aufbau der Arbeit


Dieser Text soll die Leserin und auch den Leser Schritt um Schritt in die Modellierung von Geschäftsprozessen mit Ereignisgesteuerten Prozessketten und Business Process Diagrams (der BPMN) einführen. Entsprechend ist der Aufbau.

  • Kapitel 2 stellt - ganz allgemein - vor, wie die Literatur Geschäftsprozesse und Prozessmodellierung definiert und sieht.

Ab Kapitel 3 werden Ereignisgesteuerten Prozessketten betrachtet.

  • Kapitel 3 stellt die Grundlagen vor, so wie die Urheber der Methode (Scheer und sein Team) sie definiert haben.
  • Kapitel 4 vertieft dies durch Darstellung der Basismuster, die in Ereignisgesteuerten Prozessketten auftreten können.
  • Kapitel 5 stellt mit Hilfe eines kommentierten Beispiels eine Einführung in die Prozessmodellierung mit EPKs dar.
  • Kapitel 6 enthält eine Zusammenfassung der Syntaxregeln, Empfehlungen zur Pragmatik der Prozessmodellierung und einige Gestaltungsregeln.

Weitere Ausführungen zu EPKs und ihrer Modellierung finden sich in [Staud 2025]. Darunter auch, in Kapitel 8, zahlreiche Beispiele von Ereignisgesteuerten Prozessketten mit unterschiedlichen modellierungstechnischen Schwerpunkten

In diesem Text folgt ab Kapitel 7 die Beschreibung der BPMN.

  • Kapitel 7 stellt dar, wie die BPMN-Autoren Geschäftsprozesse sehen.
  • Kapitel 8 zeigt einführende Beispiele, mit denen die wichtigsten Komponenten und Strukturmerkmale vorgestellt werden.
  • Kapitel 9 geht auf die Erfassung der einzelnen Prozessschritte ein.
  • Kapitel 10 zeigt, Informationen und ihre Verarbeitung in BPDs ausgedrückt werden.
  • Kapitel 11 stellt dar, wie Ereignisse mit der BPMN gesehen und erfasst werden.
  • Kapitel 12 widmet sich der Darstellung von Sequenzflüssen.
  • Kapitel 13 vertieft dann die schon vorher getätigten Ausführungen zu Gateways, den Operatoren der BPMN.